Mein Geschirrspüler ist ein Siemens aus dem Jahr 2010, fünfzehn Jahre alt. Das Gerät weiß nicht, dass es ein Internet gibt. Genau die Sorte Gerät, die man normalerweise irgendwann klaglos gegen ein neues ersetzt. Bei mir zeigt stattdessen Home Assistant jederzeit auf die Minute genau an, welches Programm läuft, wie lange es noch dauert, ob die Tür offen steht und ob ich Salz nachfüllen muss – alles lokal im eigenen Haus, ohne dass ein einziges Datenpaket nach draußen wandert.
Klingt nach einem entspannten Bastelnachmittag? War es nicht. Auf dem Weg dorthin habe ich mit einem einzigen unvorsichtigen Handgriff das Herz der Maschine gegrillt und durfte 315 € Lehrgeld zahlen, bevor auch nur ein Teller wieder sauber wurde. Wie aus dem „dummen" Altgerät am Ende etwas wurde, das mehr kann als mancher Neukauf mit Home Connect, erzähle ich dir hier. Und wie du dir den teuren Umweg sparst.


Update 23.09.2026: Neu im Artikel – wie ich die Spülmaschine per 1h-Vorwahl automatisch mit PV-Überschuss starte, obwohl das Board nur mitliest. Inklusive einer Überraschung beim Stromabschalten während der Vorwahl. Direkt zum Praxistipp
Sicherheitshinweis: Arbeiten an Hausgeräten erfolgen auf eigene Gefahr. Der interne Bus ist je nach Gerät nicht sicher vom Netz getrennt – nie gleichzeitig Gerät und Computer verbinden, immer spannungsfrei arbeiten. Das Öffnen des Geräts kann Garantie/Gewährleistung kosten.
Die Idee: einfach mithören, was die Maschine ohnehin erzählt
Angefangen hat alles mit einem Vortrag auf dem Chaos Communication Congress – „Hacking washing machines". Zwei Sicherheitsforscher zeigten dort, wie Geräte von Miele und von BSH (Bosch, Siemens, Neff & Co.) intern ticken. Für mich war ein Detail Gold wert: In fast jeder BSH-Maschine steckt ein interner Datenbus, den man D-Bus nennt. Darüber reden die einzelnen Baugruppen miteinander – das Leistungsmodul, das Display, die Sensoren, bei neueren Geräten auch das WLAN-Modul für Home Connect.
Der Bus ist herstellereigen, aber inzwischen ganz gut verstanden. Bei meiner Maschine läuft er mit rund 13,5 Volt und 9600 Baud über zwei simple Leitungen. Die Idee war entsprechend simpel: sich mit einem kleinen Mikrocontroller dazwischenhängen und einfach mithören. Nichts erfinden, nichts umbauen – nur zuhören lernen. Was die Maschine intern erzählt, verschickt sie ja ohnehin schon.
Der Moment, der 315 Euro kostete
So weit die Theorie. In der Praxis hatte ich mein Adapter-Board (dazu gleich mehr) in der Hand und wollte natürlich sofort loslegen. Naheliegend schien der Anschluss oben in der Tür, direkt hinter dem Display – laut einigen Stimmen im Netz müsste dort der Bus anliegen. Also angesteckt. Und: nichts. Keine Daten, tote Hose.
Um der Sache auf den Grund zu gehen, wollte ich nachmessen, ob der Bus dort überhaupt ankommt. Multimeter raus, Messspitzen an die eng beieinanderliegenden Pins – und genau in diesem Moment rutschte eine Spitze ab und schloss zwei Kontakte kurz.
Die Quittung kam sofort: Erst flog die Sicherung, dann ging beim Wiedereinschalten gar nichts mehr. Ein paar Lämpchen blinkten noch trotzig, der Rest der Maschine war tot. Das zentrale Leistungsmodul, quasi das Herz des Geräts, war hinüber. Das Frontmodul mit Tasten, LEDs und Zeitanzeige gleich mit.
Das zentrale Leistungsmodul der Maschine – der schwarze Brandfleck links am Rand ist der Kurzschluss, der mich 315 € gekostet hat.
Es half nichts: Ich habe zähneknirschend Ersatzteile bestellt. Leistungs- und Frontmodul zusammen 315 €. Dazu musste die halbe Maschine auseinander, um überhaupt an die Module heranzukommen – alles in Eigenregie, mit gefühlt dem halben YouTube-Reparaturkosmos als Beistand. Zwischen „Board im Januar bekommen" und „Maschine läuft im März wieder" verging einiges an Zeit, in der zu Hause wieder von Hand gespült wurde. Die Begeisterung der Familie hielt sich in Grenzen.
Die Lehre daraus, ganz ernst gemeint: Niemals mit spitzen Messspitzen in engen Steckern herumstochern, solange Spannung anliegt. Diese eine Sekunde hat mich nicht nur Geld gekostet, sondern auch eine Menge Nerven.
Zurück auf Anfang – diesmal mit Respekt
Nach der Reparatur habe ich mich noch einmal drangetraut, jetzt mit deutlich mehr Vorsicht. Wichtigste Erkenntnis: Das Board gehört nicht oben ans Display, sondern unten ans Leistungsmodul. Laut Erfahrungsberichten anderer auf GitHub hätte es oben zwar auch klappen sollen – woran es bei mir hakte, konnte ich nie abschließend klären. Nach der teuren Lektion wollte ich aber kein Risiko mehr eingehen und mich an das halten, was bei den meisten anderen funktioniert hatte.
Unten am Leistungsmodul ist die Montage fummeliger, dafür gibt es dort zwei dedizierte Pins, die eigentlich für den Servicetechniker zum Auslesen gedacht sind. Genau da angeklemmt – und tatsächlich beim ersten Versuch: saubere Daten, stabile Versorgung, alles lief wie es sollte.
Die Hardware: 20-Euro-Platine statt 300-Euro-Modul
Das Herzstück ist ein kleines Adapter-Board, das den Buspegel von 13,5 Volt auf ein Niveau bringt, mit dem ein Mikrocontroller etwas anfangen kann. Bei mir sitzt darauf ein ESP32-C6 mit ESPHome – jener Open-Source-Firmware, mit der sich solche Mikrocontroller ohne großes Programmierwissen in vollwertige Home-Assistant-Geräte verwandeln.
Das Board selbst stammt aus einem Open-Source-Projekt auf GitHub. Ich habe meins über eine Sammelbestellung fertig bestückt bekommen, für knapp 20 € inklusive der nötigen Stecker – das komplette Platinenlayout ist veröffentlicht, wer will, kann es sich also nachbauen oder fertigen lassen. Sogar ein 3D-druckbares Gehäuse mit Einpress-Magneten liegt im Repo, damit sich das Ganze sauber an die Maschine kleben lässt.
Das komplette Adapter-Board: ESP32-C6 plus Pegelwandler für die 13,5-Volt-Buskommunikation – für knapp 20 € über eine Sammelbestellung.
Vom Byte-Wust zur Bedeutung – mit Logs und KI
Jetzt hatte ich einen Datenstrom. Der ist zunächst allerdings nur ein Wust aus Bytes: Woher weiß man, welches Paket „Tür offen" bedeutet und welches „noch 47 Minuten"? Bei null anfangen musste ich zum Glück nicht – es gibt bereits Vorarbeit und fertige ESPHome-Bausteine, die den Bus-Verkehr grundsätzlich mitloggen. Meine Aufgabe war, das Ganze auf meine konkrete Maschine zu übersetzen.
Dafür habe ich gezielte Spülgänge gefahren – etwa die 40-Grad-Automatik mit SpeedPerfect – und dabei jeweils das komplette ESPHome-Log mitgeschnitten. Diese Logs habe ich dann einer KI vorgelegt, mit klarem Kontext: „Das war ein 40-Grad-Automatik-Spülgang mit SpeedPerfect – analysier die Kommunikation und halt fest, welche Muster zu welchem Zustand gehören." Das Ganze für viele verschiedene Läufe wiederholt: andere Programme, andere Optionen, Tür auf, Tür zu. Stück für Stück wurde so aus rohen Bytes eine an meine Maschine angepasste ESPHome-Konfiguration – inklusive Dokumentation aller Erkenntnisse.
Die läuft inzwischen so stabil, dass ich sie offiziell veröffentlicht habe:
👉 Meine ESPHome-Config + Doku auf GitHub
Wer exakt die gleiche Maschine hat (Siemens SX66T096EU), kann die Konfiguration direkt übernehmen. Bei einem anderen BSH-Modell sind die Muster grundsätzlich ähnlich, je nach Gerätegeneration aber nicht immer identisch. Als Startpunkt taugt meine Config trotzdem – kombiniert mit genau diesem Log-und-KI-Workflow, um sie aufs eigene Gerät anzupassen.
Der Lohn: das Dashboard
Und dann der Moment, für den sich der ganze Aufwand gelohnt hat: Mein Dashboard in Home Assistant zeigt während des Spülgangs das laufende Programm, den Status, ob die Tür offen oder zu ist – und vor allem die exakte Restzeit. Nicht geschätzt, sondern exakt das Signal, das auch auf dem Display der Maschine steht. Es ist ja dieselbe Kommunikation, die mein Board mithört.
Alle Sensoren direkt aus dem D-Bus: Programm, Restzeit, Tür, Salz, Klarspüler – live in Home Assistant, ganz ohne Home Connect.
Meine „Spülmaschine ausräumen"-Benachrichtigung aus einem früheren Video habe ich gleich auf den Bus umgestellt. Das macht sie in zwei Punkten besser: Sie erkennt das Spülende jetzt präzise statt mit zeitlichem Versatz – und sie räumt sich selbst auf. Sobald die Tür aufgeht, weiß Home Assistant, dass gerade jemand die Maschine ausräumt, und die Erinnerung verschwindet von allein.
Und weil die Maschine über den Bus auch meldet, wenn Salz oder Klarspüler zur Neige gehen, blende ich das als kleinen Hinweis direkt aufs Dashboard ein – statt es erst zu merken, wenn ich die Maschine dringend brauche.
Alt schlägt neu
Früher habe ich das Spülende über eine schaltbare Steckdose mit Leistungsmessung erkannt – einen Shelly, der den Stromverbrauch misst – und aus der Wattkurve abgeleitet: läuft noch, oder fertig. Das funktioniert, ist aber immer ein Stück Interpretation. Der Weg über den Bus liefert stattdessen den echten Status: läuft, läuft nicht, welches Programm, welche Restzeit, sogar Fehlermeldungen. Deutlich präziser – und für mich als Smart-Home-Nerd ehrlich gesagt auch deutlich befriedigender.
Damit schließt sich der Kreis zur Überschrift: Eine 15 Jahre alte Maschine ohne App und ohne Cloud liefert am Ende mehr und verlässlichere Daten als so manches nagelneue Gerät mit Home Connect – und bleibt dabei zu 100 % im eigenen Haus. Kein Konto, keine Cloud, keine Abhängigkeit von einem Herstellerserver.
Ein Punkt ist mir dabei wichtig: Aktuell lese ich mit dem Board nur mit – steuern tue ich die Maschine bewusst nicht. Ob und wie sich der Bus sicher auch zum Senden nutzen lässt, wird in der Community diskutiert; solange das nicht sauber geklärt ist, bleibe ich beim reinen Mithören. Für alles, was ich hier zeige, reicht das völlig.
Update 23.09.2026 – Praxistipp: Spülmaschine per Vorwahl mit PV-Überschuss starten
Dass das Board nur mithört, heißt nicht, dass ich die Maschine gar nicht beeinflussen kann. Der Trick: Ich steuere nicht über den Bus, sondern ganz klassisch über den Strom – mit dem Shelly-Zwischenstecker, der ohnehin noch vor der Maschine sitzt. Das Board liefert dazu nur das Wissen, wann der richtige Moment zum Abschalten ist.
Die Bedienung bleibt dabei komplett an der Maschine: Stelle ich eine Zeitvorwahl von genau 1 Stunde ein, versteht Home Assistant das als „bitte mit Sonnenstrom spülen". Warum gerade 1 Stunde? Die ist an der Maschine schnell eingestellt – und als echte Wunsch-Startzeit nutze ich sie praktisch nie. Längere Vorwahlen wie 3 oder 6 Stunden meine ich dagegen ernst, die sollen gelten und laufen deshalb ganz normal wie eingestellt. So brauche ich keine App und keinen Extra-Knopf – und wer von der Automation nichts weiß, bedient die Maschine wie immer.
Was ich dabei gelernt habe: erst starten lassen, dann abschalten
Mein erster Ansatz war naheliegend: kurz bevor die Vorwahl abläuft, den Strom wegnehmen und bei PV-Überschuss wieder einschalten. Das ging schief. Nimmt man der Maschine während der Vorwahl den Strom, setzt sie die Vorwahl nach der Stromrückkehr nicht fort, sondern auf glatte 30 Minuten zurück – an zwei Tagen hintereinander gemessen, obwohl beim Abschalten einmal 7 und einmal 5 Minuten übrig waren. Das ist ein Reset, kein Fortsetzen.
Die Gegenprobe zeigte den richtigen Weg: Vorwahl normal ablaufen lassen, das Programm startet, und erst 60 Sekunden danach geht der Shelly aus. In dieser ersten Minute zieht die Maschine nur rund 20 Watt, sie heizt also noch nicht. Als ich gut zwei Stunden später wieder eingeschaltet habe, lief das Programm sofort weiter – die Restzeit zählte ab der ersten Minute herunter. Ein bereits gestartetes Programm setzt die Maschine also verzögerungsfrei fort.
So sieht der Ablauf aus
- 1h-Vorwahl erkannt: Der Vorwahl-Sensor aus dem Bus springt auf 0,95–1,0 h → ein Helfer
spulmaschine_wartet_auf_pvwird eingeschaltet. Wichtig ist der Sprung nach oben: Eine 3-h-Vorwahl, die beim Herunterzählen durch 1,0 läuft, löst so nicht aus. - Programm angelaufen: Meldet der Bus-Status seit 60 s „läuft" → Shelly aus, Push-Nachricht aufs Handy.
- Sonne da: Liegt der PV-Überschuss 5 Minuten über 2000 W → Shelly an, das Programm läuft weiter. Spätestens um 16 Uhr startet sie auch ohne Überschuss, damit abends sauberes Geschirr im Schrank steht.
- Von Hand eingeschaltet: Schaltet jemand den Shelly selbst ein, wird die Verschiebung aufgehoben – sonst würde die Automation den manuellen Start 60 s später gleich wieder abschalten (ist mir genau so passiert).
Der Kern ist der Abschalt-Auslöser auf den Status aus dem Bus statt auf die Vorwahl-Restzeit:
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Den PV-Überschuss rechne ich als Template-Sensor aus Wechselrichter-Leistung minus Hausverbrauch minus Wallbox – also das, was sonst ins Netz oder in den Akku ginge. Schwelle und spätester Start sind als Helfer im Dashboard einstellbar.
Geht das auch ohne Bus-Modul? Im Prinzip ja, denn die Steuerung läuft ja ausschließlich über den Zwischenstecker. Ohne Bus fehlen dir aber die Vorwahl als „Bedienknopf" und der exakte Programmstart. Den Start kannst du alternativ über die Leistungsmessung erkennen, wie in meinem älteren Geschirrspüler-Artikel beschrieben – dann aber mit etwas mehr Unschärfe. Und ganz wichtig: Teste vorher mit deinem eigenen Gerät, ob es nach einer Stromunterbrechung wirklich fortsetzt. Das ist nicht bei jeder Maschine so, und gerade das Verhalten während der Vorwahl hat mich selbst überrascht.
Fazit
Es lohnt sich, alte Geräte am Leben zu halten und schlau zu machen, statt sie wegzuwerfen. Ehrlich bleibt aber auch: Dieser Weg ist nichts für einen entspannten Samstagnachmittag. Man öffnet ein Gerät, arbeitet an Elektronik – und wie meine 315-€-Rechnung zeigt, kann dabei etwas kaputtgehen. Wer sich das zutraut: Meine komplette Config und Doku liegen auf GitHub (oben verlinkt), damit du eben nicht bei null anfangen musst.
Und falls dir das alles zu tief in die Maschine greift, du aber trotzdem wissen willst, wann dein Geschirrspüler fertig ist: Schau dir mein älteres Video an, in dem ich genau das ganz ohne Aufschrauben gelöst habe – nur mit einer smarten Steckdose.
